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Homo homini lupus est – und damit basta

Homo homini lupus est – und damit basta

Jetzt ist es endlich experimentell bewiesen. Menschen sind von Geburt an schlecht. Es ist kein Zufall, dass wir aus dem Paradies geworfen wurden, sondern wir unterliegen einem echten sozialen Konstruktionsfehler. Es scheint zu stimmen, was man uns in den letzten Jahrtausenden eingeredet hat: Wir sind weder altruistisch veranlagt noch friedliebend, wir sind weder barmherzig noch wohlwollend. Wir wollen stattdessen von klein auf raffen, ausbeuten und andere ausnutzen. Wir sind offensichtlich doch nur angeborene Nutzenmaximierer. Woher stammt diese neue, wissenschaftlich fundierte Erkenntnis? Worin besteht der unumstößliche Beweis? Diese Erkenntnis beruht auf einer psychologischen Studie mit sechs und zehn Monate alten Babys, die eine Beobachtung sozial bewerten sollten [Nature (2007) 450: 557–559].

In dem ersten Experiment beobachteten die Babys, wie eine Figur einen Berg zu besteigen versucht. Dabei wird der Kletterer von einer zweiten Figur entweder unterstützt oder gehindert. Bei den zehn Monate alten Babies fühlten sich 14 von 16 zum Helfer hingezogen und bei den sechs Monate alten Babies sogar alle. Diejenige Figur, die den Kletterer beim Besteigen des Berges hinderte, wird sicher gemieden. Im dritten Experiment wurde zusätzlich eine neutrale, beobachtende Person in das Szenario eingebaut.

Vor die Wahl gestellt, die unterstützende oder neutrale Person zu wählen, bevorzugten die Probanden in beiden Altersgruppen die unterstützende Person (7 von 8). Wurden Sie dagegen vor die Wahl gestellt, die neutrale oder behindernde Person zu wählen, bevorzugten sie die neutrale Person (ebenfalls 7 von 8). Die Untersucher konnten demnach belegen, dass Menschen bereits in einem sehr frühen Entwicklungsstadium soziale Interaktionen bewerten, und begründeten dies mit einem evolutionären Vorteil durch biologische Adaptation. Ein kooperatives Verhalten bei der Jagd, dem Revierverhalten und der Verteidigung war früher biologisch von Vorteil. Mitläufer oder unkooperative Menschen waren weniger willkommen als Menschen, die sich fair am sozialen Leben beteiligten. Die Untersucher spekulieren gar darüber, dass das ausgefeilte Moralsystem einer Gesellschaft auf diesen angeborenen Verhaltensmustern beruhen könnte. Sie vermuten eine angeborene moralische Komponente, die unsere vorsprachliche soziale Beurteilung prägt. Diese Interpretation unterstellt einen guten, sozial ausgewogenen, kooperativen Hang des Menschen.

Damit widerspricht die obige Interpretation den gegenwärtig protegierten Handlungsmaximen der puren Nutzenmaximierer, die allerorten empor sprießen. Nein, diese „gutartige“ Interpretation kann nur falsch sein. Es ist viel wahrscheinlicher und mit der jüngsten Menschheitsgeschichte kompatibler, wenn man nach einer alternativen Interpretation der Ergebnisse sucht. Es ist eher zu vermuten, dass die Kleinen bereits instinktiv erkennen, wer sie unterstützt und wen sie damit leichter ausbeuten können. Sie erkennen die sozialen „Weich­eier“, die aufgrund eigener Schwäche Schutz in der Kooperation suchen. Die Situation gleicht eher einem artspezifischen Beuteschema, so wie sich ein Adlerjunges auf ein verletztes Kaninchen stürzt. Bereits unsere Jüngsten erkennen soziale Opfer, die sie später mit unangenehmen Tätigkeiten betrauen oder ausbeuten können. Natürlich trauen sie sich instinktiv nicht an die Figur heran, die ihnen potentiell Widerstand bietet, denn das würde Kampf bedeuten. Aus diesen Experimenten scheint etwas deutlich zu werden, was uns die Ökonomen jeden Tag vor Augen halten: homo homini lupus est – oder?

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