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2 plus 2 sind 4,1

2 plus 2 sind 4,1

Ach war das noch schön, als wir die Rechenregeln in der Grundschule lernten. 2 plus 2 war 4 und 5 mal 6 war 30. Auf die naive Frage, warum das eigentlich so ist, bekamen wir als Kinder keine ernsthafte Antwort. Wir lernten die Funktionsweise der mathematischen Operatoren, weil es ebenso ist, wie es ist. In der Oberstufe lernten wir dann mit den Begriffen „Logik“ und „Kalkülen“ umzugehen. Wir erfuhren, dass es unendlich viele mathematische Kalküle gibt, die konsistent und widerspruchsfrei konstruierbar sind. Aber es gibt offensichtlich nur ein mathematisches Kalkül, das sich in unserer Welt bewährt hat. 2 plus 2 sind also nur deshalb 4, weil wir damit in unserer Welt erfolgreich agieren. Wenn das nicht so wäre, dann müssten wir auf ein anderes Kalkül ausweichen, etwa auf 2 plus 2 sind 8. Warum ist jetzt an der Zeit, über andere Logiken und Kalküle nachzudenken? Weil wir mit dem gegenwärtig verfügbaren Kalkül nicht mehr hinkommen. Folgendes Szenario soll es belegen: Stellen wir uns einen Betrieb vor, in dem zehn Personen jeweils 100 Einheiten lang arbeiten und dabei pro Einheit ein Produkt herstellen, das 3000 Euro einbringt oder kostet. Man könnte auch sagen, dass zehn Ärzte (und der Rest des Krankenhauses) in 100 Stunden 100 Effektivgewichte leisten, die jeweils den Basisfallwert von zirka 3000 Euro wert sind. Das Krankenhaus schreibt die berühmte optimistische grüne Null – manche sagen auch schwarze Null, weil ihnen die grüne Farbe ausgegangen ist. Die Einnahmen von 10 × 100 × 3000 Euro = 300 000 Euro entsprechen bei der grünen Null exakt den Ausgaben. Nehmen wir nun zusätzlich an, dass in den letzten Jahren die Effizienz in dem Krankenhaus optimiert wurde und die Ärzte an ihrer Leistungsgrenze angelangt sind. Eines Tages wurde im Tarifvertrag der Ärzte eine Gehaltssteigerung beschlossen, so dass die Kosten auf 330 000 Euro anstiegen. In einem normalen Betrieb hätte man die erhöhten Produktionskosten von zehn Prozent über eine Preiserhöhung ausgeglichen. Den Krankenhäusern wurde dieser einfache Weg verwehrt. Die Geschäftsführungen der Krankenhäuser bangen seitdem um ihre grüne Null oder Renditen. Es wurde deshalb nach raschen Lösungen gesucht. Reflexartig wurde von allen Krankenhausleitungen vorgeschlagen, die Einnahmen, Leistungen und Behandlungen um zehn Prozent zu erhöhen. Da das natürlich alle Krankenhäuser anstreben, reicht es nicht aus, dem benachbarten Krankenhaus einige Patienten abzuwerben. Nein, wir müssen völlig neue Kunden bewerben.

Am besten wäre es, wenn wir uns einer bisher harmlosen Befindlichkeitsstörung zuwenden und diese zur behandlungsbedürftigen Erkrankung erklären. Damit könnten wir den Gesamtumsatz in Deutschland um zehn Prozent steigern. Allerdings sprächen drei Gründe dagegen: Ersten wäre es unmoralisch, zweitens würden die Krankenkassen einer Umsatzsteigerung nicht zustimmen und drittens würde dabei völlig übersehen, dass diese zehn Prozent Leistungssteigerung im Krankenhaus gar nicht zu bewältigen wäre. Schließlich haben wir angenommen, dass die Leistungsgrenze der Mitarbeiter bereits erreicht ist. Eine Leistungssteigerung mit denselben Ressourcen würde zwangsläufig zu einer minderen Qualität führen. Und eine schlechtere Qualität kann sich angeblich keiner leisten. Als Ausweg bliebe ein banaler Trick: Wir definieren die Qualität unserer Arbeit über einige gezielte Parameter, die wir bewusst einhalten, während wir andere vernachlässigen und damit Kosten einsparen. Die gefühlte Qualität wäre dann zwar deutlich schlechter, aber die offiziell gemessene Qualität wäre weiterhin vergleichbar gut. Ein anderer Weg wäre, die Ärzte bei gleicher Bezahlung zehn Prozent länger arbeiten zu lassen, was aber der Tarifvertrag verbietet. Bliebe am Ende nur, einen Kollegen zu entlassen. Damit würden aber statt 100 nur 90 Effektivgewichte geleistet, was ebenfalls die Kosten nicht deckt. Die einzig sinnvolle Lösung ist, ein neues mathematisches Kalkül. Bisher galt 10 × 100 × 3000 Euro = 300 000 Euro. Jetzt muss aber gelten: 10 × 100 × 3000 Euro = 330 000 Euro. Wir benötigen ein Kalkül, in dem der Gleichheitsoperator anders definiert wird. Hat jemand dazu eine zündende Idee?

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