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EK

Erythrozytenkonzentrate

Eine risikoarme Übertragung von EKs hängt wesentlich von den blutgruppenserologischen Untersuchungen ab. Die erforderliche Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe) umfasst die AB0-Eigenschaften, den Rhesusfaktor D sowie irreguläre Antikörper. In der Regel werden die Blutkonserven über eine periphere Vene gegeben. Die Transfusionsgeschwindigkeit richtet sich nach dem klinischen Zustand des Patienten. Bei kreislaufstabilen Patienten mit einer hochgradigen Anämie können bei Bedarf bis zu 4 Blutkonserven in 3 bis 4 Stunden übertragen werden. Bei Patienten mit einer Herz- oder Niereninsuffizienz ohne Blutung ist das Transfusionsvolumen auf 70-120 ml/h zu begrenzen. Faustformel: Herzgesunder 1 Konserve pro Stunde und Herzkranker 0,5 Konserve pro Stunde. Im Notfall sollte so rasch wie möglich das Blut gegeben werden.

Eine gekühlte Blutkonserve braucht nicht vorher erwärmt zu werden. Lediglich bei einer Massivtransfusion, einer chronischen Kälteagglutininkrankheit oder hochtitrigen Kälteantikörpern ist eine Erwärmung indiziert, wünschenswert auch bei bereits unterkühlten Patienten. Es werden zunächst 5-10 ml schnell infundiert (biologische Probe nach Oehler) und danach langsam. Der Patient wird mindestens 5 min vom Arzt beobachtet, weil die Transfusionsreaktionen in der Regel dann auffällig werden. Danach sollte der Patient immer über eine Alarmmöglichkeit verfügen, um bei späteren Problemen adäquat reagieren zu können.

Die blutgruppenverträglichen EKs werden nur gegeben, nachdem mit dem AB0-Test die Blutgruppe des Patienten noch einmal am Bett getestet wurde. Das Testergebnis ist zu dokumentieren und der Begleitschein auszufüllen. Wenn derselbe Arzt demselben Patieten mehrere Konserven appliziert, dann ist ein Bed-Side-Test ausreichend. Die Blutkonserve braucht nicht noch einmal überprüft zu werden. Die Entnahme von Blutproben aus verschlossenen Blutbehältnissen zu Untersuchungszwecken ist nicht gestattet.

Als unerwünschte Wirkungen können febrile, nicht-hämolytische Transfusionsreaktionen, urtikarielle Hautreaktionen und Hypervolämie auftreten. Als besonders gefährlich ist die hämolytische Transfusionsreaktion zu bewerten, die als Sofortreaktion mit Frösteln, Fieber, Schweißausbruch, Rücken-/Flankenschmerz, Tachykardie und Blutdruckabfall sowie Übelkeit und Blutungen einhergehen kann. Die häufigste Ursache für diese lebensbedrohliche Reaktion ist eine Verwechslung der AB0-Blutgruppe! Es gibt auch verzögerte hämolytische Reaktionen durch AK-Boosterung im Laufe von einigen Tagen nach Transfusion mit Anämie, Ikterus und Hämoglobinurie.
Bei Verdacht auf einen Transfusionszwischenfall ist die Transfusion sofort zu beenden, ein venöser Zugang ist zu schaffen, um eine evtl. medikamentöse Therapie einleiten zu können, und der Patient wird zur Überwachung auf die Wachstation gelegt. In allen Fällen mit Verdacht auf eine Transfusionsreaktion wird die Blutzufuhr sofort gestoppt, die Blutkonserve gesichert und Blut zur Untersuchung entnommen. Das Restblut der Konserve und die aktuelle Blutprobe vom Patienten wird mit den nötigen Dokumentationen den Transfusionsmedizinern zugeleitet.

Eine EK-Gabe muss gut indiziert sein. Es gibt dafür keine festen Regeln, sondern es werden der Hb, der klinische Status und die individuellen Risiken berücksichtigt. Bei akutem Blutverlust wird in der Regel erst bei einem Hämatokrit von unter 30 substituiert. Ist der Patient gesund und zeigen sich keine hypoxischen Schädigungen anderer Organe, dann kann ein Hämatokrit von 20 (Hb 3,7-4,3 mmol/l) theoretsich toleriert werden. Bei einem weiteren Abfall wird substituiert, es sei denn ein sehr junger gesunder Mensch toleriert diesen Abfall. Ansonsten wird bei jedem Patienten mit einem Hkt von 0,2-0,3 individuell festgelegt, ob eine Konserve indiziert ist. Als  Trigger ist in der Regel ein Hkt von 25 anzunehmen.
Nach jeder Gabe eines Eks wird der Hb kontrolliert, um einen adäquaten Anstieg zu belegen.

Für wenige Operationen werden routinemäßig 2 Blutkonserven bereitgestellt: Ösophagus-, Pankreas-, Leber- und Rektumresektion, Gastrektomie. Ansonsten werden nur nach Rücksprache Konserven gekreuzt.Die Blutentnahme für die Kreuzprobe liegt in der Verantwortlichkeit des Arztes und wird in der Regel von ihm abgenommen.Wenn eine zeitgerechte Bereitstellung versäumt wurde, können bei seltenen Blutgruppen und irregulären Antikörpern Probleme auftreten.
Bei präoperativ anämischen Patienten ist bereits vor der Operation eine optimale Substitution einzuleiten.