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Vorbehandlung

Stoffwechsel

{jkefel kefelui=[tabs] title=[Diabetes mellitus]}

Der Blutzucker sollte vor einem Wahleingriff möglichst gut eingestellt sein. Als Leitwert wird ein HbA1 von unter 7% angestrebt. Bereits einige Tage präoperativ sind langwirksame Insuline durch kurzwirksame zu ersetzen. Orale Antidiabetika sollten am Operationstag nicht eingenommen werden. Das gilt auch für Metformin.

Auf typische Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus wie Nephropathie, Angiopathie und Neuropathie sind zu achten. Bei Diabetikern finden sich gehäuft „stille“ Myokardinfarkte, so dass bei mangelnder Bewegung ein EKG trotz fehlender Beschwerden angezeigt ist. Eine autonome Neuropathie kann eine Gastroparese bewirken, die die Magenentleerung verzögert, so dass der Patient unbedingt die präoperative Nahrungskarenz einhalten sollte. Wenn eine proliferative Retinopathie bekannt ist, sollte der Blutdruck gut eingestellt sein und engmaschig kontrolliert werden, weil hohe Blutdrücke zu Glaskörpereinblutungen führen können.

Im postoperativen Verlauf soll der Blutzucker nicht zu niedrig eingestellt werden. Das Ziel besteht im Wesentlichen darin, Hypoglykämien oder exzessive Hyperglykämien zu vermeiden. Deshalb sind Blutzuckerspiegel zwischen 80-160 mg/dl anzustreben. Wird der Blutzucker zu straff eingestellt, drohen gefährliche Hypoglykämien. Postoperativ wird der Blutzucker zunächst alle zwei Stunden kontrolliert. Liegen die Werte im Zielbereich reicht eine Kontrolle alle vier Stunden. Besonders sorgfältig ist der Blutzucker zu kontrollieren, wenn nach großen Eingriffen oder entzündlichen Erkrankungen Glukoselösungen gegeben werden (s.u.).

Korrektur des Blutzuckers.

Wenn man unterstellt, dass eine Einheit Altinsulin den Blutzucker um 30 mg/dl vermindert, dann kann die sogenannte 30iger Regel verwendet werden. Wenn der Blutzucker 270 mg/dl beträgt und der Zielwert 120 mg/dl ist, dann wird die Differenz von 150 mit 150/30=5 Einheiten Altinsulin behandelt. Beträgt der Blutzucker 220 mg/dl und der Zielwert ist 160 mg/dl, dann sind 60/30=2 Einheiten Altinsulin ausreichend. Diese 30iger Regel hat sich im klinischen Alltag bewährt. Man sollte aber immer daran denken, dass es auch Patienten gibt, deren Blutzucker sich nach einer Einheit Altinsulin nur um 10 mg/dl oder sogar um 50 mg/dl ändert. In diesen Fällen wäre entweder eine Zehner-Regel oder 50iger-Regel anzuwenden. Wird in einer Klinik der Blutzucker in mmol/l angegeben, dann sollte eine 2er-Regel verwendet werden, die bei der Umrechnung einer 36iger-Regel entspräche. Es wird mithin vermutet, dass eine Einheit Altinsulin den Blutzucker um 2 mmol/l vermindert. Beträgt der Blutzucker 16 mmol/ l und ist der Zielwert 6 mmol/l, dann sollten 5 Einheiten Altinsulin appliziert werden.

{/jkefel} {jkefel title=[Hypo-/Hyperthyreose]}

Hyperthyreose

Eine Hyperthreose kann das kardiovaskuläre Risiko des Patienten deutlich erhöhen, weil die Schilddrüsenhormone einen inotropen und chronotropen Effekt auf das Herz ausüben. Dadurch steigt sowohl das Herzminutenvolumen als auch die Herzarbeit mit konsekutivem Sauerstoffbedarf. Selten ist glücklicherweise die lebensbedrohliche thyreotoxische Krise, die mit einer Tachykardie, Fieber und Koma einhergeht.

Um die Risiken einer Hyperthyreose zu vermeiden, sollten Wahleingriffe nur bei einer Euthyreose oder geringen Hyperthyreose durchgeführt werden. Bei letzterer kann ein Betablocker notwendig werden. Sollte bei ausgeprägter Hyperthyreose dennoch eine Operation erforderlich werden, ist unverzüglich eine Therapie mit Thyreostatika, Betablocker und Glukokortikoide einzuleiten. Thyreostatika werden einschleichend appliziert. Glukokortikoide sollten hochdosiert (z.B. 3mal 100 mg Hydrokortison i.v.) gegeben werden, um die periphere Konversion von T4 zu T3 zu hemmen. Häufig haben diese Patienten nur eine eingeschränkte Nebennierenrindenreserve, so dass die Glukokortikoide auch hier unterstützend wirken.

Hypothyreose

Die moderate Hypothyreose ist trotz der Gefahr einer Herzinsuffizienz oder Hypotonie nicht ganz so gefährlich und leichter zu behandeln als die Hyperthyreose, weil die Zufuhr von L-Thyroxin zielführend ist. Allerdings besteht bei der zu raschen Hormonsubstitution die Gefahr, eine Angina pectoris auszulösen. Schwere Hypothyreosen sollten erst 2-3 Wochen behandelt werden, bevor ein Wahleingriff vorgenommen wird.

{/jkefel} {/jkefelend}

Gerinnungsdiagnostik

{jkefel kefelui=[tabs] title=[Diagnostik]}

Eine ungerichtete routinemäßige Diagnostik von Gerinnungsstörungen bei allen Patienten ist heute nicht mehr indiziert. Sie wurde ersetzt durch gezielte Untersuchungen.

Eine rationale präoperative Gerinnungsdiagnostik richtet sich sowohl nach den Risiken und Erkrankungen des Patienten als auch nach der möglichen Blutungsgefahr des operativen Eingriffs. Beide Aspekte sind zu berücksichtigen und anamnestisch sind Blutungs- und Thromboseneigungen zu erfragen.

 

Blutungsanamnese Thromboseanamnese
Blutungsneigung (Hämatome, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Gelenkbluten) Tiefe Venenthrombose /LE
Blutungsneigung bei Operationen (während, direkt danach, später) mit Reoperation, Hämatomausräumung, Bluttransfusionen Myokardinfarkt /KHK
Blutungsereignisse bei Blutsverwandten Herzrhythmusstörungen
Leber- oder Nierenkrankheiten Art. Gefäßverschlüsse
Medikamente (ASS, Clopidrogel, Vit.K-Antagonisten, Heparine, Hirudine,alle Antiepileptika, Schmerzmittel, Antibiotika) Schlaganfälle
Gynäkologische Blutungsanamnese Immobilisation
Pos. Familienanamnese

Ohne positive Anamnese

Eine Gerinnungsdiagnostik ist im Prinzip nicht erforderlich. Auch bei geplanter Regionalanästhesie nicht.

Bei nicht-erhebbarer oder positiver Anamnese

Quick, PTT, Thrombinzeit, Thrombozytenzahl
Alle weiteren Untersuchungen richten sich nach den Befunden der obigen Gerinnungstests und den Begleiterkrankungen.
Dazu ist eine Handlungsanweisung von Dr. Klar einsehbar: Handlungsempfehlung.

Im Zweifel und bei allen komplexen Gerinnungsstörungenist ist der Hämostaseologe zu konsultieren.

{/jkefel} {jkefel title=[Antikoagulation]}

Gerinnungshemmende Medikamente

Nimmt der Patient gerinnungshemmende Medikamente ein, dann sollte bei elektiven Eingriffen abgewartet werden.
Bei ASS 7 Tage, Clopidrogel 10 Tage und Phenprocoumon bis zur Normalisierung des Quickwertes (ca. 2-3 Wochen).
Bei Risikopatienten kann eine Substitution mit NMH erforderlich werden.
Man sollte immer bedenken, dass es bei einer milden Blutungsneigung und einem Abfall des Hkts zu einer massiven Zunahme der Blutungsbereitschaft kommt. Eine Normalisierung des Hkts vermindert die Blutungsbereitschaft!!!

{/jkefel} {jkefel title=[ASS]}

ASS-Einnahme

Nach ASS-Einnahme wird ein Zeitintervall von 7-10 Tagen eingehalten, bevor elektive Operationen durchgeführt werden. In Notfallsituationen kann Desmopressin 0,4 um/kg KG gegeben werden, was bei einem 70 kg schweren Patienten 7 Amp. Minirin entsprechen (hohe Behandlungskosten).

{/jkefel} {jkefel title=[Cumarine]}

Antikoagulation

Wenn eine Antikoagulation mit Cumarinderivaten vorliegt und eine operative Intervention geplant ist, dann werden die Antikoagulantien abgesetzt und 1-10 mg Vitamin-K oral oder i.v. appliziert. Lediglich bei akut bedrohlichen Blutungen ist zusätzlich die Gabe von PPSB indiziert.

{/jkefel} {jkefel title=[Pradaxa]}

Dabigatran bzw. Pradaxa

Ein oral wirksamer hochselektiver reversibler direkter Thrombin-Inhibitor, bei dem keine Dosisanpassung erforderlich ist.

Der max. Plasmaspiegel wird innerhalb von 0,5-2 Stunden erreicht. Die Halbwertszeit beträgt 12-14 Stunden. Die Elimination erfolgt zu 80% renal, so dass eine Niereninsuffizienz unbedingt beachtet werden muss.

Als Indikationen gelten bisher die Thromboseprophylaxe (Hüft- und Knieoperationen) sowie die Schlaganfall- und Emboliprävention bei nicht valvulärem Vorhofflimmern (mit Risikofaktoren). Hierzu wurde früher eine Marcumartherapie erforderlich.

 

  Schlaganfall/Embolie Thromboseprophylaxe
Standard 2mal 150 mg 1mal 220 mg
Reduziert 2mal 110 mg 1mal 150 mg

Wie bei jeder Antikoagulation besteht ein hohes Blutungsrisiko. Pradaxa sollte deshalb nach folgendem Schema abgesetzt werden.

 

GFR in ml/min Hohes Blutungsrisiko oder größerer Eingriff Standardrisiko
>80 2 Tage vorher 1 Tag vorher
50-80 2-3 Tage vorher 1-2 Tage vorher
30-50 4 Tage vorher 2-3 Tage vorher

Aufgrund der kurzen Halbwertszeit ist ein Bridging mit Heparinen im Allgemeinen nicht notwendig. Ist die Hämostase vollständig, dann kann mit Pradaxa wieder begonnen werden.

 

{/jkefel} {/jkefelend}

Darmvorbereitung

Bei einigen Operationen ist eine Entleerung oder Reinigung des Darmes erforderlich.

 

Eingriffe am Hals, Weichteilen und Haut, Leistenhernie, CCE, Appendektomie, Fundoplikatio, Splenektomie. Keine Darmvorbereitung
Eingriffe an Narbenhernie, Leber, Gallenwegen, am Retroperitoneum, Ösophagus, Magen, Pankreas 2 Pyrilax®-Supp oder 4 Tbl. Pyrilax® um 14:00 und danach mindestens 2-4 Liter Flüssigkeit trinken lassen. Nach der Darmvorbereitung darf der Patient bis 2 Stunden vor der Operation Tee oder Wasser nach Belieben trinken.
Resezierende Eingriffe am Dünn- oder Dickdarm, Koloskopie, Kolonkontrasteinlauf, Stomarückverlagerung Zusätzlich zu den Diätvorschriften sollte viel Flüssigkeit (kohlesäurefreies Mineralwasser bzw. Tee mit oder ohne Zucker) getrunken werden. Die Darmvorbereitung wird mit Citrafleet® vorgenommen. Nach der Darmvorbereitung darf der Patient bis 2 Stunden vor der Operation Tee oder Wasser nach Belieben trinken. Am Operationstag erhält der Patient direkt vor der Operation ein Klistier.
Normale Proktologische Eingriffe, Rektoskopie, Proktoskopie Citrafleet am Tag vorher. 30 Minuten vor dem Eingriff erhält der Patient ein Klistier
Rekonstruierende Eingriffe am Anus mit chemischen Stoma

Zusätzlich zu den Diätvorschriften sollte viel Flüssigkeit in Form kohlesäurefreien Mineralwasser bzw. Tee (mit oder ohne Zucker) getrunken werden. Die Darmvorbereitung wird mit Citrafleet® um 8:00 morgens begonnen. Ungefähr 250 ml pro Stunde trinken und viel bewegen.
Um 14:00 werden 3 Liter zusätzlich Clean-Prep® getrunken. Im Durchschnitt 1 Liter pro Stunde.
Um 20:00 unbedingt 4 Kps. Loperamid einnehmen.
Nach der Darmvorbereitung darf der Patient bis 2 Stunden vor der Operation Tee oder Wasser nach Belieben trinken.
Am Operationstag sollte der Patient am Morgen erneut 4 Kps. Loperamid mit einem Schluck Wasser einnehmen.
Direkt vor der Operation erhält er ein Klistier.
Postoperativ werden 3mal 30 mg Codeinphosphat und 3mal 2 Kps. Loperamid angeordnet für mindestens 5 Tage bzw. solange das chemische Stoma bestehen soll.
Klare Flüssigkeiten (keine Nährlösungen) sind gestattet.

Schnelle Vorbereitung bei unterer gastrointestinaler Blutung Die Darmvorbereitung wird mit Citrafleet® vorgenommen.

 

Die Kontraindikationen zur Darmvorbereitung beachten, besonders bei Darmstenosen oder Niereninsuffizienz.

Aufklärung

Körperverletzung

Jeder Eingriff ist ohne explizite Einwilligung des Patienten eine Körperverletzung. Deshalb ist die Einwilligung des Patienten nach einer umfassenden ärztlichen Aufklärung absolut unentbehrlich. Erst durch die Aufklärung verliert der Eingriff seine „Rechtswidrigkeit“. Dies gilt für diagnostische und therapeutische Eingriffe.

Aufklärungsgespräch

Zur Aufklärung wird ein ausführliches Gespräch geführt. Damit der Patient die Informationen besser versteht, wird ihm bereits vorher ein Informationsblatt (perimed-Bogen) ausgehändigt. Der Bogen ersetzt aber keinesfalls das Aufklärungsgespräch. Der Inhalt des Gespräches wird in der Akte sorgfältig dokumentiert, wobei für jeden Patienten ein individueller Aufklärungsbogen angelegt wird. In den Bogen sind immer Zeichnungen anzufertigen und individuelle Notizen einzufügen. Nach dem Gesprächsabschluss wird der Aufklärungsbogen vom Arzt und Patienten bzw. einem Zeugen unterschrieben.

Wer klärt auf?

Jeder Patient wird von einem Arzt aufgeklärt, der mit dem Eingriff vertraut ist. Die Aufklärung muss nicht unbedingt durch den Operateur selbst erfolgen. Der Operateur hat jedoch unabhängig davon Diagnose, Indikation und Therapievorschlag zu überprüfen und zu verantworten

Wer wird aufgeklärt?

Grundsätzlich ist der Patient selbst aufzuklären, wobei alle Erwachsenen als einwilligungsfähig angesehen werden, sofern sie nicht bewusstlos, geistig schwer behindert oder verwirrt sind. Bei Kindern sind beide Elternteile aufzuklären und die Einwilli­gung von beiden Elternteilen einzuholen.

Schweigepflicht

Der Arzt macht sich strafbar, wenn er die Angehörigen ohne ausdrückliche Einwilligung des Patienten über dessen Krankheit oder Therapie informiert.

Wann wird aufgeklärt?

Die Aufklärung hat so rechtzeitig zu erfolgen, dass der Patient noch im vollen Besitz seiner Erkenntnis- und Entscheidungsfähigkeit ist und ihm bis zum beabsichtigten Eingriff eine gewisse Überlegungsfrist bleibt. Aus diesem Grund wird das Aufklärungsgespräch bei den elektiven Eingriffen bereits in der Ambulanz vorgenommen. Die Aufklärung sollte 48-72 Stunden vor den geplanten Maßnahmen erfol­gen. Bei Notfällen vor der Prämedikation. Die Überlegungsfrist muss um so länger sein, je weniger der beab­sichtigte Eingriff unmittelbar der Therapie dient (z.B. invasive Diagnostik) und je größer das Risiko einer schweren Beeinträchtigung auf Dauer ist.

Wie häufig wird aufgeklärt?

Es wird jeweils über jeden einzelnen invasiven Eingriff aufgeklärt. Es gibt keine globalen Eingriffe.

Worüber wird aufgeklärt?

Jeder Patient ist über seinen Zustand, die bekannten Diagnose, die geplante Therapie und Prognose aufzuklären. Der Eingriff und mögliche Erweiterun­gen werden in verständlicher Form zu erklären, wobei der Patient nicht alle genauen medizinischen Zusammenhänge zu kennen braucht. Er sollte allerdings mit den Umständen vertraut gemacht werden, die zur Operation führen. Der gesamte Ablauf der Operation und die typischen Risiken (Komplikationsmöglichkeiten) unabhängig von der Häufig­keit ihres Vorkommens werden skizziert. Auf alternative Behandlungsverfahren wird hingewiesen. Die erwarteten Behandlungsaussichten werden genannt, so dass der Patient die Erfolgs- und Misserfolgsaussichten einschätzen kann.

Fremdblut

Die Patienten sind immer dann über das Risiko einer Infektion mit Hepatitis oder AIDS bei der Transfusion von Fremdblut aufzuklären, wenn intra- oder postoperativ eine Blut­transfusion wahrscheinlich ist. Der Patient wird auf die unterschiedlichen Formen der Bluttransfusion und die mögliche Eigenblutspende hingewiesen.

Aufklärungsverzicht

Der Patient hat das Recht, auf die Aufklärung zu verzichten. Die Ablehnung der Aufklärung ist unter Zeugen schriftlich in der Krankenakte zu dokumentieren.

Ablehnung

Lehnt ein Patient die Operation ab, muss ihm verständlich vor Zeugen dargelegt werden, dass durch seine Ablehnung eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes eintreten kann, die später möglicherweise nicht mehr zu behe­ben ist.

Risiko

Die Risikoabschätzung basiert zunächst ausschließlich auf der Anamnese und klinischen Untersuchung. Weitere Untersuchungen sind nur erforderlich, wenn sie tatsächlich praktisch relevant sind, d.h. wenn sie das operative Vorgehen wirklich verändern oder die perioperative Behandlung entscheidend mitgestalten würden.

{jkefel kefelui=[tabs] title=[ASA]}

ASA-Klassifikation

Bei der Beurteilung des Gesamtzustandes des Patienten hat sich die Klassifikation der American Society of Anesthesiology (ASA) durchgesetzt. Mit ihr kann der allgemeine Zustand grob abgebildet werden. Allerdings ist er ungeeignet, um das Risiko genauer zu bestimmen.

{/jkefel} {jkefel title=[NYHA]}

Herzinsuffizienz

Da die kardialen Risiken (Herzinsuffizienz und Angina pectoris) die größte Bedeutung haben, sollten sie besonders genau erfasst werden. Die Herzinsuffizienz wird in 4 Schweregrade gemäß der New York Heart Association (NYHA) eingeteilt. Da bei einer Herzinsuffizienz das Gewebe nicht adäquat mit Blut versorgt wird, ist bei zunehmender Insuffizienz mit einer drastischen Steigerung der Komplikationen und Sterblichkeit zu rechnen. Bei guter medikamentöser Behandlung ist meistens keine Verbesserung des Patienten wahrscheinlich. Eine frühere dekompensierte Herzinsuffizienz ist ein sehr ernst zunehmender Hinweis. Eine Kardiomyopathie oder Herzklappenerkrankung bedürfen genauso einer kardiologischen Abklärung. wie Patienten mit einem Schrittmacher oder Defibrillator.

{/jkefel} {jkefel title=[CSS]}

Angina pectoris

Eine Angina pectoris erhöht das perioperative Risiko einer kardialen Ischämie mit nachfolgendem Pumpversagen ebenfalls erheblich. Sie kann gemäß der Canadian Cardiovascular Society (CCS) eingeteilt werden, die nachweislich sehr gut mit den postoperativen Ergebnissen korreliert. Ein gut eingesteller arterieller Hypertonus erhöht nicht das perioperative Risiko. Ein systolischer Druck über 180 mmHg oder diastolischer Druck über 110 mmHg bedürfen dagegen der intensiven Behandlung.

{/jkefel} {jkefel title=[Risiko]}

Risikoabschätzung

Bei der Einschätzung des Gesamtrisikos (eine kardiale Komplikation zu erleiden) sollten die folgenden drei Risikoarten getrennt bewertet werden.
Bei der klinischen Untersuchung ist die Auskultation des Herzens und der Lunge von besonderer Wichtigkeit. Die Dokumentation ist ein einheitlich festgelegt.

Intrinsisches Risiko

Belastungsabhängiges Risiko

Operationsrisiko

Eine vereinfachte Beurteilung ist mit dem vereinfachten kardialen Risiko Index möglich (Circulation 1999;100:1043). Diese Beurteilung MUSS bei allen Patienten präoperativ durchgeführt werden. Für jedes Risiko wird ein Punkt vergeben. Bei Patienten mit 2 besteht ein Risiko von ca. 7% und von mehr als 2 Punkten von ca. 11%, eine kardiale Komplikation zu erleiden.

Vereinfachter kardialer Risiko Index.

Untersuchungen

Um überflüssige Untersuchungen zu vermeiden, sollte vor jeder zusätzlichen apparativen Diagnostik die körperliche Belastungsfähigkeit abgeklärt werden. Dazu hat es sich bewährt, den Patienten zu fragen, wie viele Etagen er Treppen steigen kann oder könnte, und ob er dabei Schmerzen oder Luftnot verspürt. Ein Patient, der 3-4 Etagen locker steigen kann, hat in der Regel keine relevante kardiopulmonale Erkrankung, so dass weitere Untersuchungen entfallen können. Gibt der Patient dagegen bereits nach 2 Etagen Luftnot oder Schmerzen an, ist eine detaillierte Aufarbeitung der kardiopulmonalen Risiken erforderlich. Wenn der Patient selbst eine Treppe nicht steigen kann, dann ist das Risiko hoch.

{/jkefel} {jkefel title=[Labor]}

Laboruntersuchungen

Wenn man sicher wüsste, dass jemand gesund ist, dann wären alle Laboruntersuchungen überflüssig. Bei Patienten ohne jegliches Risiko, leerer Anamnese und kleinen Eingriffen kann deshalb auf Laborwerte vollständig verzichtet werden. Ansonsten sollten mindestens folgende Laborwerte vorliegen: Blutbild, Kalium, Kreatinin. Bei allen großen Operationen werden zusätzlich das Protein bestimmt, um Mangelernährungen auszuschließen, bei Operationen am Pankreas zusätzlich die Lipase und bei allen Operationen an der Leber und den Gallenwegen GOT, GGT, AP und Bilirubin. Ansonsten werden zusätzliche Laborwerte bei entsprechendem Krankheitsbild veranlasst. Verfügt der Patient weder über einen Blutgruppenausweis noch über ein gleichwertiges Dokument, dann wird die Blutgruppe bestimmt, wenn mindestens ein mittelgroßer Eingriff geplant wird.
Niereninsuffizienz

Leberinsuffizienz durch den MELD-Score

{/jkefel} {jkefel title=[Röntgen]}

Röntgenuntersuchung der Lunge

Eine Röntgenuntersuchung des Thorax in zwei Ebenen zusätzlich zur Auskultation ist erforderlich, wenn die Anamnese oder die klinische Untersuchung Hinweise auf eine pulmonale Vorerkrankung ergeben, die optimierbar erscheint. Voruntersuchungen, die nicht älter als 3 Monate sind, brauchen nicht wiederholt zu werden. Außerdem kann in Rahmen von Staginguntersuchungen bei Malignomen eine Röntgenaufnahme erforderlich werden.

{/jkefel} {jkefel title=[EKG]}

EKG

Ein Ruhe-EKG ist erforderlich, wenn die Anamnese oder die klinische Untersuchung Hinweise auf eine kardiale Vorerkrankung ergeben, wenn kürzlich thorakale Schmerzen auftraten, der Patient längere Zeit an Diabetes mellitus oder einer arteriellen Verschlusskrankheit leidet, oder es sich um einen Patienten mit mittleren oder hohem Risiko handelt. Voruntersuchungen, die nicht älter als 3 Monate sind, brauchen nicht wiederholt zu werden. Sollte allerdings der Verdacht bestehen, dass sich die kardiale Erkrankung verschlechtert hat, dann ist ein erneutes EKG anzufertigen. In Abhängigkeit vom klinischen Risiko und den kardialen Erkrankungen des Patienten kann eine vollständige kardiologische Abklärung notwendig werden. Bei einer schlechten linksventrikulären Funktion, bekannter schwerer Herzinsuffizienz oder Dyspnoe unklarer Genese ist eine Echokardiographie sinnvoll. Die Indikationen für weitere Belastungstests oder die Koronarangiographie stellt in der Regel der Kardiologe.

{/jkefel} {/jkefelend}

Intrinsisches Risiko

Hohes Risiko Akuter Myokardinfarkt mit ST oder instabiler Angina pectoris (CCS 3-4),
dekompensierte Herzinsuffizienz,
schwere Rhythmusstörungen (z.B. suptraventr. Tachykardie) oder Klappenfehler (< Grad 3),
Ruhedyspnoe,
Myasthenie,
sehr schwere obstruktive oder restriktive Ventilationsstörung.
Mittleres Risiko Früherer Myokardinfarkt (> 1. Monat),
Angina pectoris (CCS 1-2),
Pathol. Q-Wellen,
frühere oder kompensierte Herzinsuffizienz,
Diabetes mell.,
chronische Niereninsuffizienz (Crea> 177 mmol/l oder GFR<30 ml/min).
Niedriges Risiko Alter über 75 Lj.,
pathologisches EKG,
Fehlender Sinusrhythmus,
früherer Schlaganfall, schlecht eingestellter Hypertonus,
COPD (FEV1<1,5l)

Belastungsabhängiges Risiko

Hohes Risiko Bis zu einer Treppenetage.
1-3 metabolische Äquivalente:
1 - Allein essen und WC benutzen
2 - Allein anziehen
3 - Auf ebenem Untergrund laufen
Mittleres Risiko 2-3 Treppenetagen.
4-6 metabolische Äquivalente:
4 - Leichte Tätigkeit im Haushalt
5 - Mehr als 1 Treppenetage
6 - Anstrenegende Hausarbeit
Niedriges Risiko 3 Treppenetagen.
7-10 metabolische Äquivalente:
7 -  Kegeln, Tanzen, Radfahren
8 -  30 kg Tragen
9 - Joggen mit ca. 6 km/h
10 - Anstrengende Sportarten