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Präventive Adipositaschirurgie

Welche Rolle die Chirurgie der extremen Adipositas tatsächlich spielt, ist bei den erfahrenen Chirurgen relativ klar und eindeutig: Es ist eine sehr dankbare Aufgabe, denn es gibt keine vergleichbar effektive Methode zur Gewichtsabnahme, wenn die Patienten einmal in die extreme Adipositas entglitten sind. Wenn man diese Eingriffe aber als Nicht-Chirurg bewerten soll, dann entstehen schnell unüberbrückbare Kontroversen, wie man einer Ausgabe der Irrisch News entnehmen konnte.

 
Die Irrisch News hatte kürzlich in allgemeinverständlicher Weise über die konservative und operative Behandlung der extremen Adipositas berichtet. Daraufhin erhielt die Zeitschrift außergewöhnlich viele Leserzuschriften, die sich fast ausschließlich kritisch zu den Operationsverfahren äußerten und die der Verlag auf über zwanzig Seiten in einem Beiblatt veröffentlichte. Um das weite und sehr kontroverse Spektrum der Meinung zu skizzieren, sollen einige konkrete Ansichten beispielhaft zitiert werden: „Aus hedonistischer Sicht ist die bariatrische Chirurgie völlig unbrauchbar. Die dicken Menschen haben über Jahrzehnte ihren täglichen Lustgewinn beim Essen genossen und sich manchmal dabei berauscht. Und jetzt schlägt man ihnen vor, nach der Chirurgie nur noch leiden zu dürfen. Ihnen wird mit Hungergefühlen statt mit Lustgewinn gedroht und zusätzlich starren sie auf eine grausame Verzerrung ihres Körperbildes – wo selbst umfangreiche plastische Operationen nur noch wenig ausrichten werden.“
 
„Aus gesundheitsökonomischer Sicht ist die Chirurgie eine glatte Fehlinvestition. Sie greift viel zu spät ein. Erst wenn der Patient schon über Jahre schwer erkrankt ist und die Gesellschaft bereits für die Schäden viel Geld zahlen musste, folgt die teure Operation mit nachfolgenden teureren plastischen Eingriffen. Das Risiko des Patienten wird deutlich reduziert, so dass der weiterhin kranke Patient länger lebt – und damit das finanzielle Fiasko heraufbeschwört.“
 
 „Aus neurophysiologischer Sicht zielen alle angestrebten und erforderlichen Verhaltensänderungen ins Leere. Diese Menschen haben nämlich keinen freien Willen und können sich nicht vernunftmäßig entscheiden. Wir wissen aus Tierstudien, dass sie das Opfer ihrer angeborenen ungezügelten neuronalen Verdrahtung sind und zwangsläufig so dick werden, wenn man ihnen ausreichend Nahrung anbietet. Entweder nimmt man ihnen das Essen einfach weg oder operiert sie – und das bereits frühzeitig, weil sie nicht einsichtig sein können.“
 
 „Aus ernährungsmedizinischer Sicht hilft hier nur eine drastische und nachhaltige Nahrungsumstellung. Dazu wäre ein soziales Jahr in Nepal oder Äthiopien geeignet, um den Wert der täglich ausreichenden Nahrungszufuhr neu einzuordnen.“
 
„Aus soziologischer Sicht sollte man allen dicken Eltern die Berechtigung entziehen, ihre Kinder zu ernähren. Da die gepflegten familiären Gewohnheiten gemeinsam mit einer genetischen Ve r a n l a g u n g zwangsläufig zu dicken Kindern führen, sollten diese Kinder nur noch von schlanken Menschen erzogen werden.“
 
„Aus medizinischer Sicht sollte die bariatrische Chirurgie bereits bei einem BMI von 30 eingesetzt werden, um dem metabolischen Syndrom vorzubeugen.“
 
„Aus humangenetischer Sicht sollten für bekannte Risikofamilien Operationstechniken entwickelt werden, die bereits bei den Ungeborenen in utero den Gastrointestinaltrakt verkürzt.“
 
 „Aus der Sicht der Krankenkasse sollten alle Nah- rungsmittel, die einen Lustgewinn hervorrufen, zusätzlich massiv besteuert werden. Dazu würde sich das frühere farbige Punktsystem der Weight Watchers sehr gut eignen. Alle Produkte, die roten Punkten entsprächen, würden mit einer Genusssteuer von 25 Prozent belegt und die Steuereinnahmen könnten direkt dem Krankenkassenversicherungssystem zugeführt werden.“