Blutprodukte

Gerinnungsfaktoren

Antithrombin

Antithrombin

AT hemmt alle Serinproteasen der Gerinnungskaskade.

Ind.

Keine eindeutig gesicherte Indikation.

Die Indikation kann individuell gerechtfertigt sein unter Nutzen-Risiko-Abwägung bei einer DIC, Heparinresistenz, Thromboembolien nach Lebertransplantation oder nephrotischen Syndrom. Vorher immer eine detaillierte Gerinnungsanalyse anstreben.

KI
Abs. Heparinhaltiges AT bei HIT
Unverträglichkeit
Rel. AT-Gabe unter Heparintherapie kann zu massiven Blutungen führen.
Appl. 1 IE AT pro kg KG hebt die Aktivität um 1-2%. Bei Therapie sollte ie AT-Aktivität im Plasma > 80% sein.

 

Desmopressin

Desmopressin

Desmopressin erhöht die Adhäsion und Aggregation der Thrombozyten und steigert den vWF und F VIII:c um das 2-6fache.

Ind. Thrombozytopathie
milde Hämophilie A
mildes vWJ-Syndrom
KI Überempfindlichkeit gegenüber Desmopressin
vWJ-Syndrom Subtyo IIb
Appl. 0,3-0,4 µg/kg KG entsprechen ca. 1 Amp auf 10 kg KG.
Kurzinfusion über 30 Min in 50 ml NaCl
Wirkungseintritt nach 15-30 Min
Wirkdauer bis zu 12 Std
HWZ 3-6 Std
Bei mehracher Anwendung - Wirkunsgverlust
Auf Flüssigkeitsbilanz achten!!

 

PPSB

PPSB

PPSB ist nicht unbedingt Mittel der ersten Wahl bei komplexen Homöostasestörungen, aber sehr gut geeignet, um die Faktoren II, VII, IX und X zu korrigieren. Hier richtet sich die Dosierung nach dem gewünschten Faktorenanstieg, gemäß der Regel: Dosis = Körpergewicht gewünschtem Faktorenanstieg in Prozent. Wenn der Quickwert um 1% erhöht werden soll, dann sind bei einem 70 kg schweren Patienten 70 E erforderlich. Um einen Anstieg von 20% zu erreichen müssen dementsprechend 1400E gegeben werden. Zusätzlich sollte 1g Fibrinogen appliziert werden.

Enthält die Faktoren 2, 7, 9, 10 sowie Protein C, S und Z. Heparinhaltig.

Ind. Mangel an Prothrombin
Komplexe Hämostasestörung, wenn FFP nicht ausreicht.
Blutung unter Cumarintherapie
Lebersynthesestörung
Isolierter Mangel an F2 oder F10
KI DIC (Ausnahme: bei starker Blutung mit Mangel an Prothrombinkomplex, AT-Spiegel vorher normalisieren)
Appl. PPSB=Anstieg*kg KG*0,6
Bei Vit.K-Mangel nur bei manifester schwerer Blutung mit gleichzeitiger Gabe von NMH
Bei ausgedehnten Blutungen oder großen Operationen mit 40 E/kg KG beginnen.
Bei geringeren Blutungen und kleinen Operationen mit der Hälfte.

 

Fibrinogen

Fibrinogen

Ind. Angeborene Hypo- oder Afibrinogenämie
Erworbener Fibrinmangel bei Blutungen
(auch bei erhöhter fibrinolytischer Aktivität)
KI Manifeste Thrombosen oder Herzinfarkt
Cave bei DIC
Appl. Minimal Konzentration 1,5 g/l
Durchschnittlich 3-6 g
Fibrinogen (g)= Anstieg(g/l)* 50 ml/kg KG

 

Faktor 13

Faktor 13

Bei dem seltenen Faktor-XIII-Mangel sollte daran gedacht werden, dass Blutungen auch noch nach dem 3. postoperativen Tag auftreten können, wenn sich das Fibrin vorzeitig auflöst und die Wunde bzw. Anastomose noch nicht ausreichend verklebt ist.

Ind. Angeborener Mangel
DIC, Sepsis, Leber- oder Darmkrankheiten
Verlustkoagulopathie
KI Frische Thrombosen
Lungenembolie
Appl. Fibrogammin= 1 E/kg KG erhöht Aktivität um 1-2%
Zur Operation 50%
Bei Wundheilungsstörungen mindestens 70%
Lange HWZ von 5 Tagen

 

Aktiviertes Protein C

Aktiviertes Protein C

Indikation Schwere Sepsis mit multiplen Organversagen
Kontraindikation Blutungsgefahr
Applikation 24 µg/kg/h über 96 Stunden  

 

Aktivierter Faktor 7

Aktivierter Faktor 7

Indikation Erworbene Hämophile, Hemmkörperhämophilie
Angeborener F7-Mangel
Therapierefraktäre massive Blutungen bei Hepatopathie, Thrombozytopathie, perioperativ, Polytrauma
Kontraindikation Nicht überlebensfähige Patienten
Cave bei früheren Thromboembolien
Applikation 100 µg/kg KG i.v. über 2-5 min.
Wenn Blutung nach 20 min. persistiert, erneute Gabe von 100 µg/kg KG
Evt. noch eine dritte Dosis
Nicht mit PPSB kombinieren.

 

Massive Blutung

Massive Blutung

Verlust des gesamten Blutvolumens (ca. 10 EK in 24 h)
Verlust von 50% des Blutvolumens innerhalb von 3 h
Blutverlust von mehr als 150 ml/min

Therapierefraktäre Blutung

Alle chirurgischen Maßnahmen waren erfolglos.
Substitutionstherapie mit z.B. 1-2 TE Thrombozyten
oder FFP von 10-15 ml/kg (4-6 pro Patient)

 
 

 
Frischplasma

Frischplasmen (GFP)

Bei klinisch relevanten Blutungsneigungen oder einer massiven Blutung werden neben EK auch GFP transfundiert, wobei sich die Anzahl der applizierten Einheiten mehr an empirischen Gesichtspunkten orientiert als an objektiven Parametern. Auch bei der GFP-Gabe sind die AB0-Gruppen zu berücksichtigen. GFP der Blutgruppe AB ist für alle verträglich. Frischplasmen werden in der Regel zugeführt, um nicht aktivierte Gerinnungsfaktoren und Proteinaseinhibitoren zu applizieren. Sie sind nicht als Volumen- oder Eiweißersatz geeignet. Sie spielen auch keine Rolle im Rahmen der parenteralen Ernährung oder zur Substitution von Immunglobulin. Um den Faktorengehalt um etwa 1-2 % zu erhöhen, sind ungefähr 1 ml Frischplasme pro kg Körpergewicht erforderlich. Die Frischplasmen sollten insgesamt schnell infundiert werden. Häufig sind 3 bis 4 Frischplasmen zur Verbesserung der Blutstillung erforderlich(10-15% Faktorenanstieg). Zur Verbesserung der Blutstillung wird der gezielten Gabe von PPSB und Fibrinogen der Vorzug gegeben.

Enthält alle Faktoren mit 1 IE pro ml Plasma.
1 ml Plasma pro kg KG erhöht die Gerinnungsfaktoren um 1-1,5%.
Wenn ein Anstieg um 50% gewünscht wird, dann sind bei einem 70 kg schweren Patienten 3,5 l Plasma erforderlich, was klinisch NICHT sinnvoll ist.
In einigen Situatioenen wird die EK-Gabe an das FFP gekoppelt.

Ind. Blutung bei Leberzirrhose, DIC
Verlustkoagulopathie beim Polytrauma
KI
Abs. Unverträglichkeit
Rel. Kard. Dekompensation
Verbrauchskoagulopathie ohne Behandlung der Grundkrankheit
Appl. Im Notfall ist AB-PLasma universell applizierbar.
Initial 10-15 ml/kg KG (cave: Volumenüberlastung)
250 ml Plasma pro 1 l Blutverlust
NW Volumenbelastung

 
Erythrozyten

Erythrozytenkonzentrate

Eine risikoarme Übertragung von EKs hängt wesentlich von den blutgruppenserologischen Untersuchungen ab. Die erforderliche Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe) umfasst die AB0-Eigenschaften, den Rhesusfaktor D sowie irreguläre Antikörper. In der Regel werden die Blutkonserven über eine periphere Vene gegeben. Die Transfusionsgeschwindigkeit richtet sich nach dem klinischen Zustand des Patienten. Bei kreislaufstabilen Patienten mit einer hochgradigen Anämie können bei Bedarf bis zu 4 Blutkonserven in 3 bis 4 Stunden übertragen werden. Bei Patienten mit einer Herz- oder Niereninsuffizienz ohne Blutung ist das Transfusionsvolumen auf 70-120 ml/h zu begrenzen. Faustformel: Herzgesunder 1 Konserve pro Stunde und Herzkranker 0,5 Konserve pro Stunde. Im Notfall sollte so rasch wie möglich das Blut gegeben werden.

Eine gekühlte Blutkonserve braucht nicht vorher erwärmt zu werden. Lediglich bei einer Massivtransfusion, einer chronischen Kälteagglutininkrankheit oder hochtitrigen Kälteantikörpern ist eine Erwärmung indiziert, wünschenswert auch bei bereits unterkühlten Patienten. Es werden zunächst 5-10 ml schnell infundiert (biologische Probe nach Oehler) und danach langsam. Der Patient wird mindestens 5 min vom Arzt beobachtet, weil die Transfusionsreaktionen in der Regel dann auffällig werden. Danach sollte der Patient immer über eine Alarmmöglichkeit verfügen, um bei späteren Problemen adäquat reagieren zu können.

Die blutgruppenverträglichen EKs werden nur gegeben, nachdem mit dem AB0-Test die Blutgruppe des Patienten noch einmal am Bett getestet wurde. Das Testergebnis ist zu dokumentieren und der Begleitschein auszufüllen. Wenn derselbe Arzt demselben Patieten mehrere Konserven appliziert, dann ist ein Bed-Side-Test ausreichend. Die Blutkonserve braucht nicht noch einmal überprüft zu werden. Die Entnahme von Blutproben aus verschlossenen Blutbehältnissen zu Untersuchungszwecken ist nicht gestattet.

Als unerwünschte Wirkungen können febrile, nicht-hämolytische Transfusionsreaktionen, urtikarielle Hautreaktionen und Hypervolämie auftreten. Als besonders gefährlich ist die hämolytische Transfusionsreaktion zu bewerten, die als Sofortreaktion mit Frösteln, Fieber, Schweißausbruch, Rücken-/Flankenschmerz, Tachykardie und Blutdruckabfall sowie Übelkeit und Blutungen einhergehen kann. Die häufigste Ursache für diese lebensbedrohliche Reaktion ist eine Verwechslung der AB0-Blutgruppe! Es gibt auch verzögerte hämolytische Reaktionen durch AK-Boosterung im Laufe von einigen Tagen nach Transfusion mit Anämie, Ikterus und Hämoglobinurie.
Bei Verdacht auf einen Transfusionszwischenfall ist die Transfusion sofort zu beenden, ein venöser Zugang ist zu schaffen, um eine evtl. medikamentöse Therapie einleiten zu können, und der Patient wird zur Überwachung auf die Wachstation gelegt. In allen Fällen mit Verdacht auf eine Transfusionsreaktion wird die Blutzufuhr sofort gestoppt, die Blutkonserve gesichert und Blut zur Untersuchung entnommen. Das Restblut der Konserve und die aktuelle Blutprobe vom Patienten wird mit den nötigen Dokumentationen den Transfusionsmedizinern zugeleitet.

Eine EK-Gabe muss gut indiziert sein. Es gibt dafür keine festen Regeln, sondern es werden der Hb, der klinische Status und die individuellen Risiken berücksichtigt. Bei akutem Blutverlust wird in der Regel erst bei einem Hämatokrit von unter 30 substituiert. Ist der Patient gesund und zeigen sich keine hypoxischen Schädigungen anderer Organe, dann kann ein Hämatokrit von 20 (Hb 3,7-4,3 mmol/l) theoretsich toleriert werden. Bei einem weiteren Abfall wird substituiert, es sei denn ein sehr junger gesunder Mensch toleriert diesen Abfall. Ansonsten wird bei jedem Patienten mit einem Hkt von 0,2-0,3 individuell festgelegt, ob eine Konserve indiziert ist. Als  Trigger ist in der Regel ein Hkt von 25 anzunehmen.
Nach jeder Gabe eines Eks wird der Hb kontrolliert, um einen adäquaten Anstieg zu belegen.

Für wenige Operationen werden routinemäßig 2 Blutkonserven bereitgestellt: Ösophagus-, Pankreas-, Leber- und Rektumresektion, Gastrektomie. Ansonsten werden nur nach Rücksprache Konserven gekreuzt.Die Blutentnahme für die Kreuzprobe liegt in der Verantwortlichkeit des Arztes und wird in der Regel von ihm abgenommen.Wenn eine zeitgerechte Bereitstellung versäumt wurde, können bei seltenen Blutgruppen und irregulären Antikörpern Probleme auftreten.
Bei präoperativ anämischen Patienten ist bereits vor der Operation eine optimale Substitution einzuleiten.

 
Thrombozyten

Thrombozytenkonzentrate (TK)

Thrombozytenkonzentrate werden bei thrombozytären Bildungs- oder Umsatzstörungen gegeben. Einige Medikamente, wie ASS, nichtsteroidale Antirheumatika, hochdosierte Antibiotika, Propanonol, Furosemid, Heparin, Chemotherapeutika sowie Dextrane und HAES beeinträchtigen ebenfalls die Thrombozytenfunktion. Bei Thrombozytenzahlen unter 20.000 treten zwar nicht zwangsläufig Spontanblutungen auf, eine Operation sollte aber nicht vorgenommen werden. Für operative Eingriffe werden 50.000 angestrebt und für größere Operationen sogar 80.000. Die TK werden heute als so genannte therapeutische Einheiten appliziert, wobei 1 Einheit 200-400*109 Thrombozyten entspricht (4-6 Einzelspender-TK oder 1 Thrombapheresekonzentrat). Bei einer Einheit kann mit einem Anstieg von 20.000 bis 30.000 Thrombozyten gerechnet werden.
Vor der elektiven Gabe von Thrombozyten ist eine schriftliche Einwilligung erforderlich. Die Transfusion wird langsam unter Beobachtung des Patienten begonnen und nach 30 Min. beendet. Eine Nachbeobachtung von mindestens 1 Std. ist erforderlich.
Absolute Kontraindikationen gibt es nicht. Relative Kontraindikationen sind eine thrombotisch-thrombozytopenische und eine posttransfusionelle Purpura, Heparin-assoziierte Thrombozytopenien und Allergien gegen humane Plasmaproteine. Nebenwirkungen können sein: febril, allergisch, bakteriell, eine Lungenfunktionsstörung oder auch Übertragung von Infektionskrankheiten.

Ind. In Abhängigkeit von Zahl und Erkrankung
< 10 Gpt/l Indiziert
< 20 Gpt/l Bei zusätzlichen Risikofaktoren
< 30 Gpt/l Geplante zahnärztliche Eingriffe
< 50 Gpt/l Operationen, PDK, schwerwiegende Blutung
< 80 Gpt/l Polytrauma, SHT, neurochirurgische Eingriffe
KI HIT II
Chronische ITP (M. Werlhof)
TTP, PTP
Appl. Apherese-TE erhöht um ca. 30 Gpt/l