Leistenbruch

In der Leiste ist die Muskulatur von Natur aus geschwächt, weil hier der Samenstrang bzw. das Mutterband durch die Bauchwand treten. Trotz dieser anatomisch bedingten Schwäche entwickelt nicht jeder Mensch einen Leistenbruch. Offensichtlich werden diese anatomischen Probleme durch andere begleitende Mechanismen kompensiert. Diese natürlichen Schutzmechanismen versagen aber bei einigen Menschen, wenn gewisse Dispositionen vorliegen, wie z.B. ein erhöhter Bauchinnendruck oder eine Bindegewebsschwäche mit zunehmendem Lebensalter.

Eine gute Chirurgie setzt auch gute anatomische Kenntnisse voraus. Bei Operationen an der Leiste sind die Nerven besonders wichtig, weil "eingeklemmte" oder "eingenähte" Nerven dauerhafte brennende Schmerzen verursacht. Wenn während der Operation solch eine Gefahr besteht, dann wird der Nerv entfernt. In seinem Ausbreitungsgebiet entsteht dann ein Taubheitsgefühl.

Leistenbruch

Beschwerden

Patienten mit einem Leistenbruch klagen meistens über eine Vorwölbung und ein Druckgefühl, das sich besonders nach körperlicher Belastung bemerkbar macht. Bei einigen besteht ein unspezifischer Leistenschmerz. In seltenen Fällen tritt ein akuter Schmerz auf, der durch eine Einklemmung hervorgerufen wird.

Bei einem Bruch handelt es sich in diesem Fall nicht um einene Knochenbruch, sondern um eine Lücke in der Bauchwand, in der sich innere Organe stülpen können. Je nachdem wo sich die Bruchlücke befindet, sprechen wir von einem Leisten-, Schnkel oder Nabelbruch.

Leistenbruch

Untersuchungen

Besteht der Verdacht auf einen Leistenbruch, dann wird die Diagnose fast immer durch eine klinische Untersuchung des Leistenkanals gestellt. Bei der Palpation wird unter Mitnahme der Skrotalhaut beim Mann bzw. der Leistenhaut bei der Frau der äußere Leistenring mit dem Finger aufgesucht und danach der Leistenkanal bis zum inneren Leistenring ausgetastet. Nur selten ist bei unklaren Befunden eine bildgebende Diagnostik erforderlich.

Gelegentlich wird auch von einer „weichen Leiste“ gesprochen, wenn die Strukturen schlaff sind, aber noch kein Bruch nachweisbar ist.

Operation

Jeder Bruch sollte operiert werden, weil es keine spontane Heilung gibt. Jeder Bruch wird im Verlauf IMMER größer und ist dann schwieriger zu operieren.

Es haben sich viele verschiedene Operationsverfahren im Laufe der Zeit bewährt. Gegenwärtig konkurrieren offene Verfahren mit endoskopischen Verfahren, ohne dass eines der Verfahren die anderen verdrängen konnte. Bei den offen Verfahren bevorzugen fast alle Chirurgen die Implantation eines Kunststoffnetzes, das der Körper nicht abbauen kann. Nur bei jungen Patienten mit kleinen Brüchen wird der Bruch noch durch alleinige Nähte verschlossen. In seltenen Fällen wird das Netz in örtlicher Betäubung eingesetzt. Ansonsten werden alle Operationen in Allgemeinnarkose durchgeführt.

Viele legen ein Kunststoffnetz über einen kleinen Leistenschnitt ein (Operation nach Lichtenstein). Diese Operation ist bei uns nur die zweite Wahl. Wir bevorzugen eine endoskopische Methode, weil sie zu deutlich weniger Beschwerden führt. Leider sind aber nicht alle Patienten dafür geeignet, so dass das offene Verfahren weiterhin seine Berechtigung hat.

Bei allen endoskopischen Verfahren können alle drei Bruchpforten (Rot) mit einem Kunststoffnetz abgedeckt werden. Im sogenannten "Triangle of Doom" (grün) sollte nicht operiert werden.

Leistenbruch

Komplikationen

Bei dieser häufigen Operation sind Komplikationen selten. Die häufigsten Komplikation sind ein früher Rückfall und eine Nachblutung. Wundinfektionen und chronische Schmerzen als Folge der Operation sind selten. Ein Rückfall kann bereits nach Stunden eintreten, wenn das Netz verrutscht ist. Wir untersuchen deshalb grundsätzlich alle Patienten direkt vor der Entlassung mit dem Ultraschall. Bei einem frühen Rückfall wird sofort das Netz wieder in die richtige Lage gebracht. In weniger als 5 Prozent treten aber auch nach längerer Zeit noch Rückfälle auf, die erneut operiert werden sollten.