Wissenschaft als Mythos

Wissenschaft als Mythos

Wir verdanken unseren kulturellen Fortschritt den Erfahrungen der letzten Jahrtausende, die von eifrigen und wißbegierigen Menschen systematisch ausgewertet und zu fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen umgeformt wurden. Wir wissen heute mehr als früher. Wir wissen heute genauer, wie unsere Welt aufgebaut ist. Wir wissen heute verlässlicher, wie sie funktioniert.

Mit diesem Wissen ausgestattet, entwickelten wir unsere moderne Technologie, ohne die es weder exzellente Musikinstrumente, eine ausgefeilte Architektur, den vielfarbigen Buchdruck, das Internet oder wirksame Medikamente geben würde. Insgesamt gesehen, sind wir mit der Umsetzung unseres Wissens äußerst erfolgreich, auch wenn wir immer wieder einige Rückschläge erleiden (Klimaveränderung oder Atomunfall von Fukuchima). 

Natürlich sind wir nicht so naiv, dass wir behaupten würden, fast alles zu wissen. Wir sind auch nicht so blauäugig, unser Wissen als absolut sicher anzusehen. Aber wir haben gelernt, dass wissenschaftliche Methoden uns verlässliche Erkenntnisse liefern und dass wir ihnen besonders vertrauen können. Was nicht ausschließt, dass wir wertvolle Informationen auch aus anderen Quellen erhalten.

Einige unkritische Geister wurden vom Erfolg der Wissenschaften und modernen Technologie verführt und erkoren die Wissenschaft quasi zu einer unbezweifelbaren modernen Weltanschauung, der sie absolut vertrauen. Alle anderen "Erkenntnisweisen" wurden von ihnen als minderwertig diskreditiert und die nicht-wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnisse als unsinng tituliert.

Dieser unbedingten Wissenschaftsgläubigkeit wollen wir hier etwas entgegensetzen. Wir wollen die Grenzen der wissenschaftlichen Methode aufzeigen. Wir wollen die vielfältigen psychologischen und soziologischen Einflüsse auf unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse offenlegen und damit sowohl auf die Stärken als auch auf die Schwächen hinweisen.

Wissenschaft offenbart sich als eine sehr fruchtbare Weise, unser Weltverständnis zu erzählen. Ja, Sie haben richtig gelesen: ERZÄHLEN. Sie ist ein Mythos in seiner ursprünglichen Bedeutung. Und wir sollten auf diesen erfolgreichen Mythos genauso hören wie auf andere Erzählweisen, die unser Leben beeinflussen und lenken. Nur auf eine einzige Erzählweise zu vertrauen wäre nicht nur langweilig, sondern sie würde uns auch besserer Möglichkeiten berauben.

Nachdem Sie Wissenschaft als Mythos  gelesen haben, werden Sie die wissenschaftlichen Methoden besser zu schätzen wissen, weil sie ihren Stellenwert besser einschätzen können. Sie werden weder zu einem bornierten Fanatiker noch zu einem abgehobenen Esoteriker.