Kommentare

Kommentare

Die gesammelten kritischen Kommentare zum Fach Chirurgie im Speziellen und der Medizin im Allgemeinen sind als Einzeltexte für sich jeweils abgeschlossen und wurden im Lauf der vergangenen Jahre nach und nach in der Zeitschrift CHIRURGISCHE ALLGEMEINE veröffentlicht. Der eine oder andere Leser dieses Kompendiums wird nun vermutlich den roten Faden suchen, der die einzelnen Texte zu einem Gesamtwerk verbindet und zusammenschnürt. Diesen roten Faden gibt es tatsächlich. Ich habe ihn allerdings kurz vor der endgültigen Zusammenstellung entfernt. Sollten Sie die Spuren des roten Fadens dennoch erblicken, dann ist das äußerst erfreulich.

Manche Leser mögen wissen wollen, wodurch ich mich veranlasst gesehen habe, diese Kommentare zu schreiben. Böswillige mögen mir sogar den Oberlehrer unterstellen, der meint, alles besser zu wissen. Ich kann Sie diesbezüglich aber beruhigen – als ehemaliger Hochschullehrer habe ich den Oberlehrer überwunden und mich dem Staunen zugewandt.

Die meisten Kommentare wurden durch konkrete Ereignisse provoziert, an denen ich indirekt oder direkt teilnehmen durfte. Diese oftmals schon skurrilen Ereignisse weckten Erinnerungen aus meiner Kindheit in mir, denn ich verschlang damals Sagen, Legenden und Märchen, wobei mir Till Eulenspiegel und die Bürger von Schilda am besten gefielen. Wie überrascht war ich, im klinischen Alltag und auf Kongressen zu erkennen, dass diese Erzählungen nicht auf bloße Fiktion beruhten. Auf Kongressen und Industrieausstellungen tummeln sich noch heute viele geschickte Rattenfänger, die mit ihrer Musik so manchen klaren Blick trüben oder Geist vernebeln. Auch im klinischen Alltag wagt kaum jemand, den nackten Hoheiten ihren bedauerlichen Zustand zu offenbaren. Und sehr viele Personen beteiligen sich weiterhin daran, mit allerlei Behältern Licht in das Fensterlose Rathaus von Schilda zu tragen.

Diese Eindrücke wurden in den Kommentaren intellektuell verarbeitet. Sie sind somit als humorvolle Anregungen gedacht, dogmatische Regeln zu hinterfragen oder zumindest ihre Grenzen zu erkennen und liebgewonnenen Ritualen den Rücken zu kehren. Und wenn Ihnen diese Kommentarsammlung als zu chaotisch erscheint, dann möchte ich an einen Ausspruch von Terry Pratchett erinnern: „Das Chaos besiegt die Ordnung, weil es besser organisiert ist.“